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Vortrag: We(h)rmachttradition in der Bundeswehr?

We(h)r macht Traditionen in der Bundeswehr?
Am 13.12.2011 im Melanchthonianum der MLU Halle-Wittenberg um 18:30.

Die Bundeswehr betreibt bis heute eine Traditionspflege, die irgendwo zwischen Führerbunker und 20. Juli anzusiedeln ist. Einerseits wurden einige Kasernen-Patenonkel nach starker Kritik von außen gestrichen, andererseits ist die Bundeswehr wieder ein „Heer im Einsatz“. Dieser Umstand führt offenbar dazu, sich wieder in die Tradition der letzten deutschen Armee im „Auslandseinsatz“
zu stellen. Es gibt in der Bundeswehr eine positive Bezugnahme auf so genannte „Stahlgestalten“, vermeintlich unbelastete Personen aus Wehrmacht und Kaiserreich mit besonderen militärischen „Leistungen“. Dabei wusste bereits Kurt Tucholsky: „Jede Glorifizierung eines Menschen, der im Kriege getötet worden ist, bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.“
Einzelfälle gar Missverständnisse werden braune Vorkommnisse in der Bundeswehr von offizieller Seite gern genannt. Doch bei genauerem Hinschauen entdeckt man eher ein System dahinter, wobei einzelne Skandale nur die Spitze des Eisberges offenbaren.
Offenbar gibt es eine neonazistische Subkultur in der Truppe. Ist die Bundeswehr also die größte Wehrsportgruppe Deutschlands oder doch nur ein Heer von Einzeltätern? Wie hängt das zusammen mit dem Traditionalismus bzw. Neotraditionalismus in der Bundeswehr? Wer versucht wie von Außen Einfluss zu nehmen auf die Bundeswehr und wie sieht es im Innern aus?
Diese Fragen sollen im Rahmen eines Vortrages mit anschließender Diskussion erörtert werden.
Lucius Teidelbaum ist Historiker, Autor für das antifaschistische Magazin „Der Rechte Rand“ und
Mitarbeiter eines Monitoring-Projektes zum Thema „Extreme Rechte und Bundeswehr“ (http://braunzonebw.blogsport.de).

Für alle veranstaltungen gilt:
Die Veranstalter behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die
rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechten Szene zuzuordnen sind oder
bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige
menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu
verwehren oder von dieser auszuschließen.

1. Vortragsreihe des AK Subjekt und Gesellschaft

Gesellschaftliche Debatten zum Militär beschränken sich oftmals auf die gesellschaftspolitische Makroebene: Der Frage nach Krieg und Frieden. Dabei werden Soldat_innen meist als Spielball fremder Interessen wahrgenommen, die selbst keine Entscheidungsfreiheit und keinen eigenen Willen zu haben scheinen. Eine Kritik an Militär und Kriegshandwerk sollte sich aber auch für das Militär als Institution und seine Mitglieder als eigenständige Subjekte interessieren. Die Vortragsreihe „Sozialisation und Subjektivierung im Militär“ möchte deshalb den Blick in die zentrale Funktion des Mikrokosmos Militär werfen: Der Hervorbringung von Soldat_innen die zum Töten und Sterben bereit sind.
Erwing Goffmann bezeichnete das Militär als „totale Institution“ in dem die Trennung aller Lebensbereiche aufgehoben und die Einzelne_n Disziplinierungs- und Herrschaftstechniken unterworfen werden. Durch die weitgehende, (wenn auch nie vollständig durchsetzbare) Isolation von der Außenwelt und einer als „Normalität“ gekennzeichneten Lebensführung ist der Zugriff auf die Einzelne_n besonders wirkmächtig. Die Vorlesungsreihe soll deshalb der Frage nachgehen für welche Subjekte das Militär attraktiv ist, wie Subjekte sich im Militär verändern, welche Anrufungen an das Subjekt diese Institution hervorbringt, welche Identitätsangebote es macht und welche Zumutungen dies den Subjekten aufbürdet.
Eine Kritik des Militärs, so die These der Vortragsreihe, sollte auch die spezifischen inneren Machtstrukturen und Regierungstechniken eines militärischen Subjektivierungsregimes zum Ansatzpunkt der Überlegungen machen.
Zu diesem Zweck sollen 3 Vorträge einen ersten Einblick geben: (mehr…)